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  • 5. Apr. 2010

    Paduang Frau mit Ohrring

    Einige Kilometer nördlich von Chiang Rai, nahe der Strasse Nr. 1 nach Mae Sai, findet sich eines der vielen Dörfer in denen ethnische Minderheiten versuchen ihr Leben in Thailand zu gestalten. Es sind vor allem Bergvölker, die aus anderen Staaten ihren Weg nach Thailand fanden. Mit eigenen Sitten und Bräuchen.

    Die Paduang sind vor allem Flüchtlinge aus Ost-Burma. Wegen ihres Unabhängigkeitskampfes ist es für sie schwer in Burma zu leben. In Thailand werden die Paduang nicht als Staatsbürger anerkannt, da sie als Flüchtlinge fast immer ohne offizielle Genehmigung die Grenze passieren. Eine Ausreisegenehmigung durch die Militätjunta in Burma ist kaum zu erwarten.

    Thailand duldet die Paduang und andere Völkergruppen. Soweit es in das Konzept passt, werden die Paduang sogar unterstützt. Im Aufbau von Schaudörfern. Besucher müssen Eintritt bezahlen, was wohl den Begriff Menschenzoo geprägt hat. Die Dorfstrasse wird von Frauen beherrscht, die Kunstgewerbe anfertigen und verkaufen und vor allem als Schauobjekte dienen.

    Wer in solch ein Schaudorf gelangt, wird schnell in ein Wechselbad der Gefühle gerissen. Es ist natürlich unheimlich interessant in die Welt anderer Völker Einblick zu gewinnen, da die Lebensweise so sehr differiert. Insbesondere wenn der Lebensstil einer Welt entstammt die hundert bis dreihundert Jahre hinter dem Leben mitteleuropäischer Zivisation zurückliegt.

    Paduang Dorf

    Allerdings ist der Lebensstil durchaus gemischt mit neuzeitlichen Erfindungen. TV und Mobiltelefon findet man heute eigentlich in jeder thailändischen Bambushütte. Es gibt Motorbikes und ganz selten auch mal ein Auto. Die Elektrifizierung in Thailand ist ausgesprochen gut. Einige Bergregionen sind aber auch hier schwieriger zu erreichen. In diesem Fall kann der Fernseher mit Solarenergie betrieben werden. Ein entsprechendes Förderprogramm der thailändischen Regierung unterstützte den Solartrend für einkommenschwache Bewohner in abgelegenen Gebieten.

    Solarenergie für Akha-Haus

    Paduang stellen sich gegenüber ihren Besuchern, meistens Touristen, in Thailand als handwerklich versiertes Volk dar. Auf dem nachfolgenden Bild ist eine Paduang Frau zu sehen, welche aus Bambus kunstfertige Getränkebehälter herstellt.

    Paduang stellt Trinkgefäss aus Bambus her

    Auffällig stellen sich viele Paduang-Frauen dar, indem sie traditionell Messing-Ringe um den Hals tragen. Optisch wird damit erreicht, dass der Hals länger erscheint. Tatsächlich wird jedoch nicht der Hals verlängert, sondern die Schlüsselbein-Knochen werden nach unten gedrückt. Bereits im Alter von etwa 5 Jahren bekommen Mädchen die ersten Ringe um den Hals gelegt. Im Laufe der Jahre wird die Zahl der Ringe kontinuierlich erhöht. Bis zu etwa 12 oder 13 Kilo kann das Gesamtgewicht der Ringe anwachsen.

    Weitere Ringe werden an den Unterarmen und im Wadenbereich getragen.

    Paduang Frau

    Das alles erscheint für und Europäer schon sehr grausam. Keine der Frauen schaut wirklich glücklich daher. Noch viel grausamer erscheint jedoch der Ohrring dieser Frau. Der Ohrlappen dieser Frau wurde im Laufe der Jahre so verändert, dass ein “Ohrring” hineinpasst, der das Format einer grösseren Serviettenringes aufweist. Das Ohrläppchen ist zu einem schmalen Band geformt, welches scheinbar unter hoher Spannung den metallenen Ohrring hält.

    Paduang Frau Ohrring

    Kunstvolle Stoffe werden in traditioneller Handarbeit gewebt.

    Paduang Weberin

    Den Faden halten bei den Paduang offenbar lässig die Männer in der Hand:

    Paduang Mann Spinner

    Akha

    Die Ursprung der Akha ist bis nach Tibet nachvollziehbar. Möglicherweise reicht der Ursprung von dort bis in die Mongolei zurück. Die Akha sind ebenso wie die Paduang irgendwie in Thailand geduldet, verfügen jedoch häufig über keine Nationalitätsrechte. Sie haben keinen Personalausweis (ID-Card), dürfen nicht wählen und auch nicht in das Ausland reisen. Das allgemeine Schulsystem greift bei den Bergvölkern schon wegen der sprachlichen Unterschiede nicht.

    Bergvölker wie Akha und Paduang haben es sehr viel schwerer Schulen aufzubauen, weil staatlliche Mittel meist nur für thailändische Bewohner des Landes geplant werden. Schulen für Bergvölker sind auf Hilfsorganisationen oder noble Spender angewiesen. Laut virtuellem Hiltribe Museum bemüht sich Thailand durch den Aufbau thailändsicher Schulen in Akha-Dörfern, die Akha in die thailändische Gesellschaft zu integrieren. Damit einher geht allerdings ein grosser Kulturverliust der Akha. Sämtliches Kulturgut wird ausschliesslich mündlich weiter gegeben. Dieses Wissen droht durch den Einfluss der Thais und noch mehr durch die chritliche Kirche in Vergessenheit zu geraten. Rund 60% aller Akha sollen zum christlichen Glauben bekehrt worden sein.

    Die thailändischen Pläne der schulischen Thai-Sozialisierung scheinen nicht immer aufzugehen. Dieses 11-jährige Mädchen im Akha-Teil des Dorfes geht nicht zur Schule:

    11-jähriges Akha Mädchen

    Fehlende Bildung ist nicht alleiniger Grund für einen reichen Kindersegen der Akha. Ein Rentensystem gibt es nicht. Eine ausreichende Kinderzahl fördert die Wahrscheinlichkeit einer vernünftigen Versorgung im Alter. Diese 21-jährige Akha Frau hat also schon etwas für ihre “Rentenversicherung” geleistet.

    Akha Frau mit Baby

    Fruchtbarkeitssymbole am Dorftor der Akha:

    Fruchtbarkeitsfiguren der Akha

    Akha-Schmuck am Verkaufsstand:

    Akha Schmuck

    Verweise:

    Hilltribe and Education Center Chiang Rai
    Virtual Hilltribe Museum

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    1 Kommentar »

    1. seb schreibt:

      Schoener Bericht ueber die verschiedenen Bergstaemme. Ich selbst habe auch ein solches Dorf besucht und fuehlte mich die ganze Zeit sehr unwohl, wie in einem Menschenzoo.
      Andererseits ist es doch faszinierend diese so andere Kultur zu erleben.

      Gruss aus Phuket

      2. Aug. 2010 | #

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