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  • 16. Oct. 2007

    Erdbeben sind hier im Norden Thailands eine relativ normale Erscheinung. Mehrmals im Jahr schüttelt sich die Erde, die Häuser wackeln. So geschah es auch heute. Während ich an meinem Schreibtisch sass, ging am frühen Nachmittag ein Ruckeln durch das Haus. Der aus Holz konstruierte Teil ächzte etwas, die anderen Teile gaben einen tiefen Ton von sich, während sie sich bewegten. Das dauerte vielleicht zwei, drei Sekunden. Dann war der “Spuk” wieder vorbei.

    Das erste Erdbeben erlebte ich in Thailand am 15. Mai 2007. Abends war eine deutliche Erschütterung des Hauses zu spüren. Ca. 3 bis 4 Sekunden. Das war jedoch nur ein Vorbeben.

    Am nächsten Tag besuchte ich, wie an allen anderen Tagen zu dieser Zeit, ein Internetcafe in Wiang Chai. Es geschah am Nachmittag. Ich glaube so zwischen 14.00 und 15.00 Uhr. Während der Arbeit spürte ich, zunächst unbewusst, eine Veränderung an der Wand. Ich war zu sehr in die Arbeit vertieft um mich wirklich drum zu kümmern. Es kam jedoch eine allgemeine Unruhe auf und mir wurde bewusst, dass sich die Wand, zu der ich mit meinem Gesicht sass, hinter meinem Computer bewegte. Hinter mir begannen die ersten Personen mit eiligem Schritten das Haus zu verlassen. Was macht man in dieser Situation? Das ganze Haus ist erfasst von wellenförmigen Bewegungen. Klar, einfach hinterher.

    Draussen scheint es zumindest sicherer als im Haus. Die Blechdächer der Häuser klapperten als würde ein Zug statt auf den Gleisen über die Schwellen rattern. Aus anderen Häusern sind ebenfalls Menschen auf die Strasse geeilt. Es ist eine allgemeine Unruhe, doch weitweg von irgendwelcher Panik. Das Beben mag 20 bis 25 Sekunden gedauert haben. Ein echtes Zeitgefühl fehlt in solch einer Situation.

    Das Beben der Stärke 6,1 auf der nach oben offenen Richterskala, war bis in die Landeshauptstadt Bangkok zu spüren. Dort wie hier, merkte längst nicht jeder etwas vom Erdbeben, wie ich aus späteren Gesprächen erfuhr.

    Ich erfahre später auch, dass Erdbeben in der Gegend um das Goldene Dreieck Bestandteil des Lebens hier sind. Etwa viermal im Jahr soll es zu Erdstössen kommen, sagen Bewohner des Dorfes in dem ich lebe.

    Das Epizentrum soll in 38 km Tiefe unter dem Dreiländereck Thailand, Burma und Laos liegen. Das Zentrum des Beben im Mai 2007 lag 165 Kilometer nordwestlich der laotischen Stadt Luang Prabang in einem abgelegenen Gebiet. Hier treffen tektonische Platten zusammen, die sich immer wieder übereinander schieben. Dabei entstehen Spannungen, die sich durch Erdbeben wieder entladen. Die Beben verursachen in der Regel nur wenige kleine Schäden. Das liegt zunächst daran, dass sich selten starke Beben aufbauen. Die Spannungen werden relativ häufig durch kleinere Beben abgebaut.
    Die Menschen hier verstehen es zudem, mit geeigneter Bauweise grossen Schäden vorzubeugen. Selbst in der Provinzhauptstadt Chiang Rai gibt es keine Hochhäuser. Die Gebäude sind nach meinem Wissen und persönlichen Eindrücken in Chiang Rai nicht höher als 4 oder 5 Stockwerke. Alle Gebäude aus festen Baustoffen bekommen ein Grundgerüst aus Stahlbeton. Das könnte man mit einer vereinfachten Fachwerkbauweise vergleichen. In Abständen um die 2,50 Meter werden Stahlbetonstützen gesetzt. Diese werden am Beginn und Ende jedes Stockwerkes mit festen Ringankern zu äusserst stabilen Einheiten verbaut. Damit steht das sehr stabile, tragende Gerüst des Hauses.

    Gerüst eines traditionellen thailändischen Wohnhauses:

    Thailändisches Wohnhaus im Bau - Grundgerüst

    Stahlbeton ist relativ elastisch und gut in der Lage Schwingungen aufzufangen. Die Zwischenräume im Stahlbetonskelett werden ausgemauert. Diese Mauern haben keine tragende Funktion. Zu schätzungsweise 90 % oder mehr werden dafür Betonhohlblocksteine verwandt, die etwa 7 cm dick sind. Selbst die buddhistischen Wat (Tempel) werden nach dieser Bauweise errichtet bzw. restauriert. Nur werden für die Wände Ziegelsteine statt Betonsteine verwendet. Sollte das Beben Risse in der Mauer erzeugen, beschränken sich diese jeweils auf einen Teilbereich der Mauer. Tragende Funktionen werden durch die eventuellen Mauerwerksrisse nicht beeinträchtigt .

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